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Lödderburgk - Löhdeburg - Löderburg
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Löderburg im Juli 2002: Blick von der Aschehalde über den Kippteich (im Vordergrund) und den “Alten Seemann” in`s
Dorf, in die Neustaßfurter Straße, in der einst die Straßenbahn (von Hecklingen über Staßfurt nach Löderburg an`s
Ende der Neustaßfurter Straße bis zur Feuerwehr fuhr. Diese Straße bin ich jahrelang in`s Dorf gelaufen ... Wir wohnten
in dieser Straße auf dem Kohlenschacht (rechts gelegen - nicht im Bild) zwischen dem Dorf und Neustaßfurt ... Hier habe ich ab Mitte der 1950er Jahre (erste Tagebuch-Aufzeichnungen) meine ersten ornithologischen und
entomologischen Beobachtungen gemacht; hier wechselten bis in die ersten 1980er Jahre die Zwergrohrdommeln ständig über die Straße; hier im Kippteich habe ich ihre Verhaltensweise am Nest vom Versteck aus studiert und
fotografiert und die Kleine Königslibelle als normale Erscheinung neben der Großen Königslibelle kennengelernt ...
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Löderburg an der Bode: am ehemaligen
Sportplatz mit der inzwischen 100jährigen Brücke und den noch älteren Solitäreichen sowie am alten Deich-Wanderweg nach Gänsefurth. Aufn.: J. Müller, 10.11.2001
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Zunächst noch aktuelle Aufnahmen von Löderburg u. Umgebung:
Regenbogen am 28.08.2010, von der Marbe Blick nach Osten (Atzendorf - Förderstedt) - © JM:
Hochwasser Winter 2002/2003 mit Frost und Eis, Febr. 2003
und Grundwasseranstieg im Kreuz- und Salzteich (zur Vergrößerung auf das Bild klicken - gescannte Dias ...)
und nun ...
- um 4000 v.u.Z. ließen sich an den Ufern der Bode von Löderburg bis Unseburg und Egeln Bauern aus dem Donaugebiet nieder; später folgten die Bernburger,
- 1200 - 750 v.u.Z. (Bronzezeit) wohnten hier am Bodeufer Illyrer (aus der Lausitz). Das Gebiet wurde später auch durch die Slawen beeinflußt.
- Zur Zeit des Frankenreiches gehörte Löderburg zu Nordthüringen, watr aber unter Karl dem Großen sächsisch.
- 781 liegt es im Bistum Halberstadt, das in Grafschaften aufgeteilt war; Löderburg gehörte unter Markgraf Gero zur Grafschaft Mühlingen.
- Ausgang des Mittelalters werden die Grafschaften neu geordnet. Unser Gebiet kam zum Magdeburger Holzkreis. In Löderburg wird hauptsächlich Ackerbau und Fischfang (in der Bode) betrieben.
- 1170 heißt der Ort Luderdeborch.
- 1265 übereignet der Halberstädter Bischof dem Kloster Unser Lieben Frauen zu Magdeburg einen Zehnten von Luderdeborch.
- 1685 heißt der Ort Lödderburgk, später auch: Loderdeburgk, Loderburg, Loederburg oder (noch im 19. Jahrhundert) Löhdeburg.
- im 15. Jhd. gehört der Ort bereits zum Erzstift Magdeburg und wird nun mehrfach vergeben (an von WESTORFF, NIKOLAUS CRÜGER von Jüterbog, BRANDSTEIN, SCHLANNEWITZ, BRÖSECKE).
- 1515 gibt es in Loderdeburck zwei freie Höfe mit sieben Hufen Landes.
- Zu jener Zeit gab es im erzbischöflichen Gebiete Ritter (Herren) und Freie (mit Freihöfen), die aber jederzeit zur Landesverteidigung mit ihren Bauern dem Erzbischof
als dem Landesherren zur Verteidigung zur Verfügung stehen mußten.
- Hufe (althochdeutsch/huoba) waren ursprünglich eingezäunte Felder von dem Umfang, daß sich eine Landmann-Familie davon ernähren und es jährlich mit einem
Pferdegespann bearbeiten konnte. Später wird “Hufe” ein Feldmaß von etwa 30 Morgen oder 7-15 ha.
- 1562 waren zu Loderdeburck 24 Hauswirte.
- Im 30-jährigen Krieg wurde auch Löderburg beeinflußt, obwohl darüber wenig belegt ist: So lagerte Tilly`s Heer am 19./20. April 1632 in der hiesigen Gegend, sein Fußvolk hatte Lager auf dem Thie.
- In dieser für das Volk sehr schweren Zeit lebten vielew Familien in Erdkellern, die später noch als Vorratskeller genutzt wurden. So ist es aus heutiger Sicht
verständlich, daß unter solchen Lebensbedingungen die Pest 1636 viele Opfer finden und der Ort somit leicht ohne Widerstand geplündert und ein Opfer eines großen Feuers werden konnte.
- 1685 leben in “Lödderburgk, ein dem Amte Athensleben, dem hochwürdigen Domkapital zu Magdeburg zustehendes Dorf” 6 Ackerleute, 26 Gehilfen in den Salzkothen, Salzsiedereien
zu Staßfurt, 14 Häußlinge (= 46 Steuerzahler, entspricht etwa 250 Einwohnern).
- 1742 ein erhalten gebliebenes “Dienst-Reglement des königlichen Amts Athensleben, sowie solches von Sr. Königl. Majestät mittels allergnädigst Rescripti vom 23. März 1742
konfirmiert worden” gibt Zeugnis über die Verhältnisse und Lebensweise bzw. Reglementierung des Volkes bis zu Beginn des 19. Jhd.
- 1726 und 1748 verwüsteten große Brände den Ort.
- Der Brand am 26. März 1726 vernichtete u.a. auf dem Thie (“alwo die Amtswäscherei lieget”) 5 Koßathen-Häuser nebst Ställen und Scheunen.
- Das Feuerlöschwesen war sehr vernachlässigt!
- In der 2. Hälfte des 18. Jhd. bis ins 19. Jhd. werden in Löderburg 3 Maulbeerplantagen (an der Seestraße anstelle der Drescherhäuser in der Mitte der Chaussee Löderburg-Staßfurt
(“Maulbeerbreite”) für die Seidenraupenziucht betrieben.
- Im 19. Jhd. wird Löderburg ein reines Landwirtschaftsdorf, in dem hauptsächlich Korn und Flachs produziert und die Leinewebereibetrieben wurde.
- 1848 kamen dann die ersten Kohlenschächter hinzu.
- 1808 gehört Löderburg mit Alt-Staßfurt, Atzendorf, Athensleben und Rothenförde zum Canton Staßfurt im Königreich Westfalen.
- 5. Mai 1809 Durchzug von Ferdinand von SCHILL´s Freikorps.
- 1817 hat Löderburg 493 Einwohner und wächst allmählich bis
- 1900 auf 5500 Einwohner.
- 1864/66 forderte die Cholera nochmals viele Opfer.
- 1872 werden erste kleine Bruchsteinhäuser in der Kolonie- und Bergmannsstraße gebaut,
- 1882-1903 erste Mauersteinhäuser.
- 1873 wird der Thiedamm errichtet.
- 1885/87 erhält der Ort endlich Straßenpflaster.
- 1892 erhält Löderburg sein erstes Postamt, denn seit 1. Juni 1885 wurde der Postbetrieb in einer Postagentur durch eine Privatperson verwaltet.
- 1892 bekommt Löderburg auch seinen ersten Landarzt.
- 1899 wird Löderburg durch eine elektrische Kleinbahn (“Die Elektrische”) mit Staßfurt und Hecklingen verbunden.
- 1900-1928 sinkt infolge des Eingehens der umliegenden Salzschächte Löderburgs Einwohnerzahl wieder auf 3785.
- 1901 wird der erste elektrische Lichtanschluß gelegt.
- 1901 wird die erste Gasleitung gebaut.
- 1918 bildete sich infolge der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution im Orte ein Arbeiter- und Soldatenrat.
- 1927 wird der erste Wasserleitungsanschluß verlegt.
- Am 1. Februar wird auf dem Thie der Sportplatz mir der dazugehörigen Bodebrücke übergeben, die heute noch - ungepflegt - vorhanden ist.
- 1920/21 wird Löderburg durch den Häuserbau in der Neustaßfurter Straße auch mit Neustaßfurt “fest” verbunden; der Kohlenschacht errichtete wegen der Wohnungsnot die
Siedlungen an der Staßfurter Chausse und in der Langen Straße.
- Die Elektrische, vorerst nur zur Personenbeföderung eingerichtet, transportierte ab 1909 auch Braunkohle für die Staßfurter Industrie.
- Im Jahre 1925 beförderte sie ungefähr 1 Million Personen und etwa 140.000 Tonnen Braunkohle.
- Der Absatz dieser Braunkohle war erst Mitte der 1860er Jahre durch die Staßfurter Chlorkaliumfabriken und durch die Sodafabrik so recht in Schwung gekommen.
- Die nach dem 2. Weltkrieg 1945 vorhandene Kohleknappheit für die Haushalte in Löderburg und Umgebung veranlaßte die Grube Löderburg seinerzeit, einen
feststehenden Rost in eine Schurre einzubauen, um an die Bevölkerung gesiebte Braunkohle abgeben zu können.
- Die dazu Schlange stehenden Handwagenkollonnen, die von Löderburg zur Kohlengrube an unserer Hoftür vorbei führten, habe ich selbst als kleines Kind noch
erlebt. Ich erinnere mich deutlich an dieses Ereignis.
- Die Löderburger Kohlengrube hatte an der Mechanisierung des Braunkohlentiefbaues einen nicht geringen Anteil. Genannt seien beispielsweise nur der Einsatz von ersten
Schüttelrutschen und Transportbändern 1939, die Einführung des Kurzstrebbruchbaues 1944 und des ersten Stegkettenförderers der DDR im Kurzstreb 1951. - An die dazu erforderlichen Forschungsarbeiten, auch in meinem Elternhaus
auf dem Kohlenschacht auf großen Zeichenbrettern deutlich sichtbar, erinnere ich mich ebenso wie an die Besuche der Forschungskollegen aus Kleinmachnow (Dr.
Krüger u.a.) und habe die freundliche fröhliche Aufbruch-Atmosphäre jener Zeit in schöner Erinnerung ...
> s. auch “104 Jahre Braunkohlengrube Löderburg”
- Ab 1925 (zunächst zusammen mit Dr. Hesse) und ab 1926 (eigenständig) praktiziert
Dr. Gustav Reins als (typischer) Landarzt bis 1962 in Löderburg.
Hier noch so viel im Zusammenhang mit meinen naturwissenschaftlichen Arbeiten, die in
Löderburg ihren Ausgang nahmen:
In der Folge des Abbaues von Braunkohle in der
Egelner Mulde untertage und im Tagebau-Betrieb kam es in der Umgebung von Löderburg bzw. entlang des Bodelaufs im Bereich der Egelner Mulde zu teilweise großflächigen Bergsenkungen mit einer
Ausbildung von naturnahen Seen (z.B. der "Löderburger Bruchfeldteiche" Kippteich, Alter Seemann, Lake, Salzteich, Kreuzteich (s. nebenstehende Aufnahme vom 10.11.2001) und des Tagebausees Löderburg). Diese Bruchfeldteiche, die ökologisch betrachtet als "Seen" zu bezeichnen sind, haben sich im Laufe von über 80 Jahren zu äußerst interessanten
Lebensräumen mit einer bemerkenswerten Naturausstattung entwickelt. Sie sind heute als wertvoller Lebensraumtyp nach der Fauna Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) den naturlichen
eutrophen Seen einschließlich ihrer Ufervegetation mit Schwimm- und Wasserpflanzenvegetation gleichzusetzen !
Hier habe ich zwischen 1954 (erste Tagebuch-Aufzeichnungen) und heute insbesondere die Vogelwelt (Avifauna) und die Libellen (Odonatenfauna) erforscht und darüber mehrfach publiziert ...
Die Nutzung dieser Lebensraumtypen sollte wegen ihrer relativen Naturnähe nachhaltig, d.h.
umweltschonend erfolgen. Die Nutzung als Bade- und Angelgewässer bzw. Naherholungszentrum (Tagebausee) sollte unter Berücksichtigung des Schutzes - d.h. Nutzung ohne erhebliche
Beeinträchtigung - dieser Stillgewässer-Lebensraumtypen erfolgen.
Landarzt Dr. Gustav REINS - 31.12.1888 - 18.8.1966 1925/26 - 1962 Arzt in Löderburg
Anläßlich des Beitrages von Manfred LEHRMANN über den Löderburger Landarzt Dr. Gustav
REINS im SALZLAND-KURIER STASSFURT der Volksstimme am 5. August 2003 möchte ich einige persönliche Anmerkungen hinzufügen:
Nach dem Tode meiner damals 11jährigen Schwester Ingeborg im Jahre 1942, deren Blutvergiftung
Gustav Reins zu spät erkannt hatte, war er beim Obersteiger Müller auf dem Kohlenschacht zukünftig immer sehr schnell an unseren Krankenbetten ... - Das blieb so lange er in Löderburg
praktizierte (1962). D.h. ich konnte ihn auch noch persönlich kennenlernen und kann bestätigen, daß er ein typischer Landarzt war, der auch naturwissenschaftlich sehr interessiert und kundig war.
So war er beispielsweise in der Apotheke, wo meine Frau Edda 1960 bis 1973 tätig war, bei auftauchenden Problemen oder interessanten Gesprächen stets mit “Rat und Tat” (entsprechende Bücher vorlegend o.ä.) zur Stelle ...
So begegnete ich ihm auch gelegentlich bei meinen ornithologischen Exkursionen draußen (z.B. im Gänsefurther Busch - s. Abb. rechts oben, wie ich ihn noch kannte), wo er mehr botanisch
ausgerichtet tätig war, wodurch er meine Zuneigung zur Ornithologie kannte und mir später noch kurz vor seinem Tode im Sommer 1966 das damals beste Vogelbestimmungsbuch: “Die Singvögel
der Heimat” von Otto KLEINSCHMIDT schenkte bzw. “gern zugeeignet” hatte, wie er es nannte. Das Buch ist heute ein herausragender, antiquarisch sehr nachgefragter Klassiker der Ornithologie
und als Faksimile neu aufgelegt und hat auch wegen der REINS`schen Anmerkung einen Ehrenplatz in meiner Bibliothek ...
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